Notstromsysteme sind seit Langem unerlässlich für Rechenzentrumsbetreiber, die ihre Verfügbarkeitsziele erreichen wollen. Mit steigender Nachfrage nach KI, alternder Netzinfrastruktur und zunehmenden Stromausfällen wird die Zuverlässigkeit von Notstromsystemen immer mehr als strategische Priorität und nicht nur als operative Notwendigkeit betrachtet. Eine vom Uptime Institute veröffentlichte Branchenstudie – „Fünf Prognosen für Rechenzentren im Jahr 2026“ – prognostiziert, dass Stromausfälle ab 2026 häufiger, komplexer und gravierender sein werden. Vor diesem Hintergrund ist das alte Modell „Generator einmal jährlich testen und auf das Beste hoffen“ nicht mehr ausreichend.

Netzinstabilität stellt ein wachsendes Risiko dar.

Laut einem Bericht des Uptime Institute erwartet Uptime Intelligence, dass die Ausfallsicherheit wieder zu einem zentralen Thema und einer wichtigen Herausforderung für die Branche wird.

Veraltete Übertragungsinfrastruktur, Elektrifizierung, intermittierende Stromerzeugung und das explosionsartige Wachstum des KI-Computing belasten die Stromnetze zunehmend. Im September 2025 warnte das US-Energieministerium (DoE), dass sich Stromausfälle bis 2030 verhundertfachen könnten. Die USA stehen damit nicht allein da. Im April 2025 erlebten Spanien und Portugal einen der größten Stromausfälle in Europa seit Jahrzehnten. Im selben Jahr wurden Hunderte kleinerer Ausfälle durch eine Vielzahl von Störungen und Extremwetterereignissen verursacht, was darauf hindeutet, dass auch Europas Stromnetz gefährdet ist.

Da Quellen auf häufigere Störungen, Spannungsschwankungen und längerfristige Ausfälle hinweisen, müssen Rechenzentren, die bisher nur selten mit Netzausfällen rechneten, nun mit regelmäßigeren Ausfällen rechnen.

Die meisten Rechenzentren begegnen diesem Risiko durch die Installation von Notstromaggregaten. Da häufige Netzschwankungen und -ausfälle die kritischen Stromversorgungssysteme jedoch stärker belasten, ist die Zuverlässigkeit der Generatoren von entscheidender Bedeutung. Dies verändert die Rolle von Lasttests. Mit steigendem Netzrisiko wird die Lastprüfung zu einer wichtigen Verteidigungsmaßnahme und nicht mehr nur zu einer Pflichterfüllung.

Vom „Wartungsgut“ zum strategischen Instrument für Resilienz

Obwohl größere Stromausfälle im Verhältnis zum Branchenwachstum seltener werden, zeigen die Daten von Uptime Intelligence, dass ihre Folgen umso gravierender sind, je häufiger sie auftreten. Diese Entwicklung erfordert einen neuen Ansatz für Generatortests.

Die Prüfung von Generatoren mit einer Lastbank war zwar schon immer ein wichtiger Bestandteil der Wartung – die Prüfung von Generatorgehäuse, Wicklungen, Lagern, Steuerungen und Kühlsystemen sowie die Vermeidung von Nasslagerung –, doch die zunehmende Netzinstabilität und der Ausbau hochdichter Infrastrukturen erfordern von den Betreibern mehr als nur Wartung.

Wo viele Betreiber bisher nur ein- oder zweimal jährlich testeten, sollten die Tests nun szenariobasierte Prüfungen umfassen, darunter Schwarzstarts, ATS-Umschaltungen und N+1-Ausfälle. Bei Backup-Systemen mit mehreren Generatoren ist die Prüfung auch ein entscheidender Schritt zur Validierung synchronisierter oder paralleler Systeme. Dabei muss überprüft werden, ob sie automatisch starten, sich synchronisieren und Ausfallmechanismen unterstützen. Die Tests sollten außerdem bewerten, wie sich Generatoren bei einem Teilausfall verhalten würden.

Eine ordnungsgemäße Lastbankprüfung liefert Daten, die die Entscheidungen der Geschäftsleitung hinsichtlich Resilienz, Investitionen und Risikomanagement direkt beeinflussen können. Auf die Frage „Wie sicher sind wir uns unserer Notstromversorgung?“ liefern die Ergebnisse der Lastbankprüfung die einzig verlässliche Antwort.

Wachstum der Stromversorgung vor Ort

Angesichts knapper werdender Netzkapazitäten und zunehmender Befürchtungen systemischer Ausfälle investieren immer mehr Rechenzentren in primäre Stromversorgungssysteme, Gasturbinen, Hybridgeneratoren und eine campusweite, gemeinsam genutzte Strominfrastruktur. Obwohl die Unabhängigkeit vom Netz und der Aufbau von Redundanz die Abhängigkeit von großen Notstromsystemen verringern können, erfordern neue Generatoren und Stromversorgungssysteme eine sorgfältige Validierung.

Während der Inbetriebnahme sollten umfassende Systemtests durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass das System – ob Dieselgeneratoren, Gasturbinen oder andere Energiequellen – unter realen Betriebsbedingungen wie erwartet funktioniert. Dies umfasst die Validierung der Lastverteilung und Synchronisierung in Systemen mit mehreren Generatoren oder Hybridgeneratoren sowie die Überprüfung der Systemeinstellungen und -komponenten, um sichere Übergänge und ein zuverlässiges Fehlerverhalten zu gewährleisten. Ebenso sollten Wärme- und Kühlsysteme getestet werden, um sicherzustellen, dass sie den Betrieb ohne Überhitzung gewährleisten. Darüber hinaus müssen Kraftstoffsysteme einwandfrei funktionieren, um über Stunden hinweg sauberen und reinen Kraftstoff aus großen Kraftstoffspeichern und bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen im Jahresverlauf zu liefern.

All dies ist ohne Lastbänke nicht sinnvoll möglich. In einer Welt von Multi-Megawatt-Rechenzentren und netzunabhängiger Stromerzeugung bedeutet das Auslassen von Lasttests im Grunde eine Inbetriebnahme im Dunkeln.

Compliance rückt in den Mittelpunkt.

Da Rechenzentren zunehmend Energie vor Ort erzeugen, führen Primärstromversorgung, integrierte Redundanz und Batteriespeicher dazu, dass einige Einrichtungen aktiv Strom ins Netz einspeisen – beispielsweise durch Lastmanagement. Dieser Wandel von passiven Verbrauchern zu netzinteraktiven Ressourcen dürfte neue Anforderungen an die Einhaltung von Vorschriften mit sich bringen. Viele netzinteraktive Standorte müssen neue Netzanschlussregeln erfüllen, darunter die Durchführung und Dokumentation von Inbetriebnahmetests sowie regelmäßige Prüfungen, um einen sicheren Parallelbetrieb zu gewährleisten und Risiken zu minimieren.

Mit zunehmenden Anforderungen an die Einhaltung von Vorschriften dürfte die Lastbankprüfung zu einem wichtigen Instrument werden, um die Zuverlässigkeit der Anlagen nachzuweisen.

Der Bedarf an Volllast

Bei all den neuen Herausforderungen darf das altbekannte Problem der Kraftstoffablagerungen in Notstromaggregaten nicht außer Acht gelassen werden. Kraftstoffablagerungen treten üblicherweise auf, wenn Motoren deutlich unterhalb ihrer Nennleistung betrieben werden, was in Notstromszenarien häufig vorkommt. Diese übermäßige Laufzeit im Leerlauf oder bei geringer Last führt zu Ablagerungen von unverbranntem Kraftstoff im Brennraum, an den Einspritzdüsen, Kolbenringen, Turbolader und Abgasanlage. Dies führt in Kombination mit Kondenswasser zur Ansammlung von Kohlenstoffpartikeln und Feuchtigkeit im Abgassystem. Mögliche Folgen sind Leistungsverlust, erhöhte Emissionen und höhere Betriebskosten.

Der regelmäßige Betrieb des Generators unter Volllast während Lastbanktests kann diese Probleme beheben. Wird der Generator regelmäßig unterhalb seiner Nennleistung betrieben, verhindert die dauerhafte Anbindung an eine Lastbank die Bildung von „Feuchtablagerungen“. Ohne Lastbänke treten Generatorausfälle oft erst bei einem tatsächlichen Stromausfall auf – dann, wenn es bereits zu spät ist.

Fazit: Lastbänke sind weiterhin geschäftskritisch.

Da die Stromversorgungssicherheit für Rechenzentren nach wie vor ein reales Risiko darstellt, bilden Lastbanktests weiterhin das Rückgrat einer verlässlichen Verfügbarkeitsstrategie. Neben ihrer kontinuierlichen Rolle bei der Prüfung der Ausfallsicherheit der Notstromversorgung und der Vermeidung von Geräteschäden spielen Lastbänke eine zunehmend wichtige Rolle bei der Unterstützung gestaffelter Ausfallsicherheitsstrategien und der Risikominderung von Kraftwerken vor Ort.

In einer Welt mit instabilen Stromnetzen, hohem Energieverbrauch durch KI und hohen Verfügbarkeitsanforderungen ist eine Notstromversorgung, die nicht mit einer Lastbank getestet wurde, eigentlich gar keine Notstromversorgung.